Planetenjäger

Besprochen von Dieter Vogl


Viele Jahrhunderte bemühten sich die Astronomen vergeblich darum, Planeten zu finden, die außerhalb unseres Sonnensystems, irgendwo in unserer oder einer anderen Galaxis, andere Sterne umkreisen. Nachdem am 6. Oktober 1995 die Schweizer Astronomen Michel Mayor und Didier Queloz die Entdeckung des ersten extrasolaren Planeten bekannt gaben, ist in dieser Hinsicht eines "der längsten und spektakulärsten Wettrennen in der Geschichte der Astronomie zu Ende" gegangen. Die Entdeckung, wen wundert es, erregte weltweites Aufsehen. Impliziert doch diese Entdeckung den Gedanken, dass es nicht nur auf der Erde, sondern auch anderswo im Universum Leben geben könnte.

Der studierte Elektrotechniker, Journalist und Leiter des Wissenschaftsressort des Schweizer Nachrichtenmagazins "Facts", Reto U. Schneider, beschäftigt sich in seinem Buch "Planetenjäger" mit dieser ganz aktuellen und äußerst spannenden Thematik. Vor allem behandelt das Buch jenen spannenden Wettlauf, der unter den Astronomen nach dieser sensationellen Entdeckung entstand. Denn "kaum hatte es die Entdeckung der Schweizer auf die Titelseiten von »Spiegel« und »New York Times« geschafft, wurde weltweit zur Treibjagd nach neuen Planeten geblasen. Und tatsächlich wurden seitdem weitere Trabanten weit entfernter Sterne entdeckt, von denen einer sogar eine Oberflächentemperatur aufweist, die Leben zulassen würde. Es ist, als sei die Astronomie in ein neues Zeitalter eingetreten. »Alle wollen eine neue Welt entdecken« meint einer der Planetenjäger."

Der Autor berichtet in diesem überaus faszinierenden Buch von jenem Konkurrenzkampf, der sich offenbar wie ein Virus unter den Astronomen ausbreitete und der vor allem zwischen den Schweizern und Amerikanern geführt wurde. Schneider erzählt sehr anschaulich von den langen Nächten der Astronomen "in der Sternwarte, von ihren Selbstzweifeln, bevor sie an die Öffentlichkeit gingen", um ihre Entdeckung publik zu machen. "Der Autor schildert genau, wie der Nachweis der Planeten gelang, die ja nicht zu sehen sind, er befaßt sich mit Methoden und den Instrumenten, und natürlich geht er der Frage nach, welche Konsequenzen sich für die Wissenschaft und eventuell für die ganze Menschheit aus den neuen Entdeckungen ergeben."

Einen besonders guten Einfall hatte der Autor auch damit, wohl im Anbetracht dessen, dass die "Planetenjäger" auch zukünftig nach neuen Welten forschen und mit Sicherheit fündig werden, dass er die wichtigsten Internet-Adressen zum Thema ans Ende des Buches stellt. So kann sich der Interessierte jederzeit in den aktuellen Stand der Forschung einklinken und sich von Profis, quasi aus erster Hand, über die einzelnen Projekte informieren lassen. Eine sinnvolle Ergänzung, wenn man bedenkt, dass erst im Januar 1999 wieder ein Planet entdeckt wurde, von dem sogar erstmalig angenommen wird, dass er erdähnlich ist.

Abschließend sei gesagt, dass das Buch "Planetenjäger", hier kann man sich den Machern des Buches nur ohne jeglichen Widerspruch anschließen, tatsächlich "ein Stück lebendige Wissenschaft darstellt: hochaktuell, packend geschrieben und informativ zugleich".

Autor: Reto U. Schneider

Seiten: 280

Abbildungen: 54 S/W- und 19 Farbabbildungen

Preis: DM 49.80 / öS 364.- / sFr. 44

ISBN: 3-7643-5607-3 1997

Verlag: Birkhäuser