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Pharaonen und Propheten Buchbesprechung von Dieter Vogl |
Alleine beim Anblick und Durchblättern des reich bebilderten Buches des Engländers David Rohl, der an der Universität London Alte Geschichte und Ägyptologie studiert hat, schlägt das Herz eines Bücherfreundes erheblich höher! Alles in allem, und dies ist nicht übertrieben, ein Buch, das man wirklich als Magnum Opus einstufen muss und das diesen Begriff auch aus inhaltlichen Gründen verdient.
Mit seinem Buch "Pharaonen und Propheten" stellt David Rohl in erster Linie das Alte Testament auf den Prüfstand der Geschichte. Es sei vorweg genommen, es gelingt ihm hervorragend. Der Sinn des Buches ist es, der Frage nachzugehen, ob in den Büchern des Alten Bundes eine wissenschaftlich verifizierbare Wahrheit enthalten ist und sie dementsprechend einen historischen Wert besitzen, auf den sich die Forschung berufen kann.
Seine Rückschlüsse sind eindeutig: "Alle Wissenschaftler der letzten beiden Jahrhunderte", so Rohl, "haben die Geschichten und die charismatischen Gestalten der Bibel ins Reich der Mythen und Sagen gerückt." Der Grund liegt darin, dies belegt Rohl sehr glaubhaft mit einer Vielzahl von aussagekräftigen Beweisen, dass die Archäologen "offensichtlich an den richtigen Plätzen nach Beweisen für die Existenz der biblischen Urväter gesucht" haben, "jedoch stets in den falschen Epochen. So waren", resultiert Rohl folgerichtig, "Mißdeutungen unausbleiblich".
Indizien für seine These sucht er unter anderem bei den Pharaonen Ägyptens und beispielsweise in den Königsgräbern von San. Er leuchtet akribisch genau das Zeitalter Salomons aus, befasst sich mit der Entdeckung der Armanabriefe ebenso wie mit Moses und Khenphres oder dem biblischen Josef und nimmt sogar die Sterne als Orientierungshilfe für eine neue Chronologie.
Weitere Forschungsergebnisse zur Datierung Scheschonks I., der Genealogien der Dritten Zwischenzeit, den Problemen der Radiokarbonmethode, der Sothis-Chronologie und der assyrischen Zeitrechnung, stellt er im fünften Teil seines 510-Seiten-Buches vor. Wobei er, um Professor Robert Bianchi zu zitieren, "die Ereignisse, die am Ende des Buches Genesis und am Anfang des Buches Exodus beschrieben werden, in eine ganz andere Zeit, als es sonst üblich geworden ist", versetzt.
Dabei sind sich selbst die Befürworter des Buches darüber einig, "dass die Neudatierung, wie sie David Rohl im vorliegenden Buch vorschlägt, eine Provokation darstellt und wahrscheinlich von vielen Traditionalisten zurückgewiesen werden wird. [...] Doch die Prägnanz seiner Hypothese, die Unterstützung, die er von Text-Experten bekommt, und der stupende Vorschlag, in der Geschichte Israels die Zeit des Vereinigten Königreichs in die Späte Bronzezeit zurückzuverlegen, sind überzeugend."
Dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen, außer der Besonderheit, dass Rohl viele biblische Erzählungen, die bislang grundsätzlich von den meisten Wissenschaftlern bezweifelt und als fiktive Erzählungen betrachtet wurden, als reale Tradierungen der Geschichte einstuft. Mit seinem bewundernswerten Buch, was ihm offensichtlich ein Anliegen war, hat er die Diskussion "nach der Historizität des Alten Testaments wieder in den Brennpunkt des Interesses rücken" können.
Titel: "Pharaonen und Propheten"
Autor: David Rohl
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 3-426-26871-X