Im Namen von Zeus

Besprochen von Peter Kaschel


Wieder einmal steigt Erich von Däniken tief hinab in die unergründlichen Gewölbe früher Menschheit, wo sich Geschichtsfälschung, -lügen, -klischees und historische Ratlosigkeit die Hand reichen. Dass ihm kein Thema heilig ist, kein Bereich tabu, ist bekannt. Und so ist es nur konsequent, wenn auch neu, dass der Meister bei seinem über dreißigjährigen erfolgreichen Versuch, Geschichte radikal zu entrümpeln, auch vor der griechischen Mythologie letztendlich nicht Halt macht.

Um es vorwegzunehmen: " Im Namen von Zeus - Griechen, Rätsel, Argonauten" ist ein weiteres Husarenstück des Schweizer Querdenkers!

Das "Raumschiff Enterprise" habe es schon vor Urzeiten gegeben: in Form von Jasons "Argo" und der entsprechend "Argonauten" benannten Crew, die nicht nur die Crème de la Crème prä-antiker Experten darstellt, die nicht nur ein geheimnisvolles Schiff steuert, sondern auch und vor allem höchst absonderliche Abenteuer zu bestehen hat Querverweise zur Paläo-SETI liegen bei fliegenden Göttern, fliegenden Crew-Mitgliedern, von großen Vögeln abgeschossenen tödlichen Pfeilen und last but not least dem sprechenden (!) "Argo"-Kahn auf der Hand.

Das ganze zum Schluß in ein Frankenstein- Szenario ausartende Kolchis bleibt ein Mysterium, von Sinn und Funktion des Goldenen Vließes gar nicht zu reden.

Lobens- und deshalb erwähnenswert des Meisters stets enge kausale Verklammerung mit der Übersetzung ins Deutsche von Apollonius (1779).

Weiter geht EvDs Reise über Herodot, Herakles, Gilgamesch-Epos, herrlich bösartig über "unsere blitzgescheiten Exegeten, Philologen (...)" bis hin zu Platon, Hesiods "Theogonie", kämpfenden Mischwesen und merkwürdigen Kriegen mit merkwürdigen Waffen im All, wobei ein Verweis zum indischen "Mahabharata" natürlich nicht fehlen darf. - Zurückkehrt der weltberühmte Querulant gern und immer wieder zur "Argonautica".

Besondere Beachtung genießen berühmte antike Stätten wie Krata, Delphie, Mykene, Olympia, Sparta, Athen und andere - nicht nur ihres Mythos wegen, sondern weil sie mutmaßlich, nein!!! - nachweislich durch geometrische Linien und Figuren miteinander verbunden sind. Wer´s bisher immer noch nicht glaubte, wird hier ohnmächtig und endgültig eines Besseren belehrt!

Dann - surprise! surprise! - wagt sich EvD gar an das Phänomen "Troja" heran, aufregend auch dieser Abschnitt, - Troja, dessen Identifizierung mit Atlantis (durch den Archäogeologen Zangger) der Beatenberger Top-Autor aus plausibel dargelegten Gründen ablehnt.

Da er sich nun bereits einem der großen archäologischen Rätsel, Troja, gewidmet hat, kann Däniken noch ein drauflegen; er tut´s und breitet vor dem überraschten Leser Atlantis, den "Jahrtausendkrimi", aus. Dass EvD äußerst penibel recherchiert, ist allein daran zu ermessen, dass er über fünfundzwanzig (!!) Seiten Otto Apelts Übersetzung aus dem Jahre 1922 (Platons sog. Dialog mit Kritias) zitiert.

Erich von Däniken kommt zu seiner Atlantis-Mutmaßung - welcher, wird hier nicht verraten; schließlich ist das Ganze ein Jahrtausendkrimi.

Abschließend berührt und vertieft EvD die Kenntnisse über die bis heute irritierende Piri-Reis-Karte, tangiert weltweite prähistorische Phänomene, bevor er - Stichwort abermals "Atlantis" - Klimakatastrophen reflektiert.

Ein äußerst - äußerst! - gelungenes Werk, das allein durch seinen Inhalt lebt! Wer darüber hinaus EvDs Stil zugetan ist, dieser unnachahmlichen Mischung aus Eleganz, Frechheit, pointierter Schärfe und Schnoddrigkeit, wird ein weiteres Mal der Faszination dieses Autors und Forschers erliegen.

Summa summarum: nach dem Meisterwerk "Der Jüngste Tag hat längst begonnen" und dem herausragenden Nazca-Opus "Zeichen für die Ewigkeit" lässt sich nunmehr nur folgern: Der Däniken wird immer besser - beim Zeus!!

Bleibt zu hoffen, dass die Schule ihren dogmatischen Schutzwall abbaut und sich Däniken / der Paläo-SETI öffnet! Die Zeit dafür ist reif! Wann sind´s die Pädagogen?!

Autor: Erich von Däniken

Seiten: 280

Bertelsmann 1999

ISBN 3-570-00029-X