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Die deutsche Frühzeit war ganz anders Besprochen von Dieter Vogl |
Mit seinem heuer erschienenen Buch "Die deutsche Frühzeit war ganz anders" legt uns Gert Meier, der schon zusammen mit Herman Zschweigert das überragende Werk "Die Hochkultur der Megalithzeit" schrieb, ein weiteres Werk vor, daß in vielerlei Hinsicht auf dem vernachlässigten Sektor der deutschen Geschichtsforschung richtungsweisend sein wird. Ohne Wenn und Aber ist es eine fundierte Standortbestimmung zur Vorgeschichte der Deutschen, an der sich andere Historiker ausrichten können und zukünftig auch orientieren müssen. Dieser Eindruck bestätigt sich um so mehr, wenn man vergleichbare Werke aus der jüngsten Zeit miteinander vergleicht und überraschend feststellen muß, daß in keinem von ihnen einer Vorgeschichte ein Platz eingeräumt wurde.
Vollkommen zu Recht moniert Gert Meier, daß es offenbar "in der Vorstellung der Deutschen kein Bild der deutschen Vorgeschichte" gibt. Und in diesem Sinne beanstandet er beispielsweise auch Johannes Fried, der "jüngst den ersten Band einer Geschichte der Deutschen verfaßt" hat und über die Vorgeschichte der Deutschen stillschweigend und ohne Beanstandungen befürchten zu müssen hinwegging. Dabei stellt Gerd Meier heraus, daß "die Fehlurteile Frieds [...] zwar bemerkenswert" sind, aber trotzdem allgemein akzeptiert werden.
Das vorliegende Werk, auch wenn es aufgrund der gigantischen Komplexität des besprochenen Sachbereichs die Thematik nicht erschöpfend behandeln kann, war längst überfällig, denn "die Vorgeschichte der Deutschen", so die unumstritten zutreffende Aussage des Autors, "birgt wegen mangelnder bisheriger Erforschung noch viele Rätsel und ist zudem an entscheidenden Stellen durch Fälschungen verdeckt". Endlich wagt sich jemand an diese – vielfach und weitgehend von Historikern mit einem Tabu belegte – Thematik. Endlich zeigt jemand ohne einengende Scheuklappen Zusammenhänge auf "und weist zugleich Aufgaben und Möglichkeiten fachübergreifender historischer Forschung für die Zukunft aus". Dabei stellt sich Meier selbstkritisch die Frage: Ob eine Revision der Vorgeschichte der Deutschen überhaupt möglich ist und er kommt zu dem Schluß, daß "die Bewältigung dieser Aufgabe möglich" ist.
Wie schon das Buch "Die Hochkultur der Megalithzeit", so ist auch Gert Meiers neuestes Werk eine wohlgemeinte und mit fundierten Fakten vorgetragene Ansammlung von vehement wichtigen Denkanstößen. Und wie in seinem letzten Werk kommt Meier auch diesmal zu dem folgerichtigen Schluß, daß neben seinen eigenen Lösungsversuchen eine Vertiefung und Zusammenschau eine Aufgabe für die kommenden Generationen des nächsten Jahrhunderts ist. Gert Meier hat mit diesem Werk und den darin enthaltenen geschichtspolitischen Folgerungen nicht nur bislang übersehene und übergangene Fakten zusammengefaßt, sondern auch den Grundstein für künftige Forschungen gelegt. Insofern liegt es wirklich an den uns nachfolgenden Generationen, die Chance zu ergreifen und Licht in die bislang noch immer dunkle Vergangenheit der Deutschen zu bringen.
Autor: Gert Meier
Seiten: 558
Verlag: Grabert
ISBN: 3-87847-175-0