Studienreise von Nicolas Benzin nach Olympia


Wer heute in das Tal der Flüsse Klados und Alpheios kommt, der kommt nicht als Sportler, wie es 1168 Jahre lang üblich gewesen ist, sondern als gewöhnlicher Tourist, dessen Ziel die Ruinen des antiken Olympia sind.

   
Die Palaistra Eingangstor zum Stadion
 

Olympia ist nicht eine Stadt mit ständigen Bewohnern gewesen, und auch heute befindet sich hier nur eine kleine Ortschaft mit ca. 770 Einwohnern, die vom Tourismus leben. Das einzige öffentliche Telefon des Ortes ist außer betrieb, und auch sonst liegt Olympia weit ab von den üblichen Tourismusgebieten. Hier, auf der westlichen Peloponnes, 18 km vor der Küste entfernt, haben die Touristenmassen die Landschaft noch nicht zerstört. Alles blüht und gedeiht, am Wegrand kann man sogar Kaktusfeigen pflücken.

   
Fundament des Zeustempel Die Ruinen des Hera-Tempels
 

Am Ortsausgang des Touristenörtchens befinden sich das Ruinenfeld und auch das Museum mit den wichtigsten Olympia-Funden. "Warum gerade hier?", fragt man sich. warum lag das kultische Zentrum des antiken Griechenlands nicht in Athen, sondern weit ab vom politischen Geschehen? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir in der griechischen Bronzezeit ansetzen. Am Fuß des Kronoshügels wurden im 2. Jahrtausend v. Chr. Kronos, der Vater des Zeus, und die Erdgöttin Gaia verehrt. Als Zeus seinen Vater in der Mythologie tötet, hat dies auch Auswirkungen auf die reale Welt: Das Kronosheiligtum wurde in ein Heiligtum des Zeus umgewandelt. In einem offenen Hain stand von nun an der Hauptaltar des Göttervaters, Herr über Blitz und Donner. Das war im 11. Jahrhundert v. Chr.

   
Kapitell einer Säule In den Stein eingearbeitete Nuten für Metallklammern
 

Wann und warum die ersten sportlichen Wettkämpfe in Olympia stattfanden, liegt im Dunkel der Geschichte. Über den Ursprung der Spiele existiert jedoch zwei Sagen. Die eine schreibt die Wettkämpfe dem Halbgott Herakles zu, die andere nennt Leichenspiele zu Ehren des toten Heros Pelops, nach dem auch die Halbinsel Peloponnes benannt ist, als Ursprung.

   
Die Säulen der Palaistra Die umgestürzten Säulen des Zeus-Tempels
   

Pelops warb um Hippodamaia, die Tochter des Königs Oinamaos. Doch das Orakel von Delphi hatte dem König vorausgesagt, daß er von seinem Schwiegersohn getötet werden würde. Um seinen Schicksal zu entgehen, veranstaltete Oinomaos mit jedem Freier ein Wagenrennen, bei welchem er versuchte, diesen mit dem Speer zu töten. Schon dreizehn Bewerber hatte Oinomaos getötet, da erschien Pelops, um die Hand der Hippodamaia zu erbitten. Dem tödlichen Wagenrennen sah Pelops gelassen entgegen, hatte er dich göttliche Hilfe! Der Meeresgott Poseidon gab Pelops schnelle Pferde und der Wagenlenker des Oinomaos, Myrtilos, ersetzte die Zapfen der Räder durch Wachs. Beim Rennen zerfiel der Wagen dann, und Oinomaos kam zu Tode. Nachdem auch der Mitwisser Myrtilos getötet war, wurde Pelops König des Landes. Falls das Wagenrennen zwischen Pelops und Oinomaos tatsächlich stattgefunden hat, so soll dies im 16. Jahrhundert v. Chr. gewesen sein.

Die Starschwellen im Stadion  
   

Eine unbekannte Anlage

Die Werkstatt des Pheidias. Später zu einer christlichen Kirche umfunktioniert

   

Die andere Sage, deren Hauptakteur Herakles ist, hatte folgenden Inhalt: Da Augias, der König von Elis, Herakles um den Lohn für die Reinigung seiner Ställe betrogen hat, geht Herakles nach Olympia, pflanzt einen heiligen Hain und stiftet die ersten Olympischen Spiele.

Das Stadion  

Der Erstabdruck des Artikels erfolgte in G.R.A.L. Nr 3/93; Hersg. Dipl.-Math. Michael Haase; Berlin: ArcKos-Verlag, 1993 


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© Fotos by Nicolas Benzin