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Dr. Ulrich Bastian vom Astronomischen Rechen-Institut der
Universität Heidelberg zu Thema
Terraforming
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Meine Antwort auf Ihre Fragen ist etwas kompliziert, aber
eine einfache Antwort wäre zu unvollständig, um wahr zu sein. Natürlich kann
niemand die Zukunft voraussehen, und so ist meine Antwort letztlich nur eine
plausible Vermutung.
- Sehr kleine Biotope außerhalb der erde werden schon seit längerem von
Menschen angelegt: Apollo, Skylab, MIR oder ISS. Technisch wäre es sicher
erreichbar, solche Biotope auch auf dem Mars anzulegen. Daß die Menschheit
auch den Willen aufbringen wird, daß für länger als einige Tage, Wochen
oder Monate zu tun, das bezweifle ich.
- Apollo, MIR etc. haben es zwar ermöglicht, daß Menschen zeitweise
außerhalb der Erde leben konnten, aber das hat mit der Idee des
Terraforming wenig zu tun.
- Terraforming sehr kleiner Bereiche (Glaskuppeln, bergwerkartige Gebilde
...) bishin zu einer gewissen eingeschränkten Selbstversorgung mit
Rohstoffen aus der Umgebung (das gab es bei MIR/ISS schon in Form von
Solarenergie) mag technisch auch erreichbar sein. Ebenso eine gewisse lokale
Nahrungsmittelerzeugung und Wasserkreislauf etc. Aber sowas wird immer sehr
zerbrechlich und auf Außenversorgung angewiesen bleiben. Derartige
Experimente hat es auf der erde mehrfach gegeben. Neben den technischen und
ökologisch-biologischen Problemen traten dabei auch gravierende
psychologische Probleme zutage, die nach meiner Einschätzung bei
extraterrestrischen Kleinbiotopen zum begrenzenden Faktor werden würden.
Wiederum: Technisch wahrscheinlich schon machbar, aber ich bezweifle, daß
die Menschheit den Willen dazu aufbringen wird.
- Terraforming im eigentlichen Sinn, d. h. Umgestaltung eines großen Teils
eines Planeten in Richtung Bewohnbarkeit durch Menschen, halte ich für
illusorisch. Alle, die an so etwas denken, glauben, sollten sich vor Augen
halten, wie schwer es wäre, auch nur minimale Änderungen dieser Art auf
unserer Erde vorzunehmen. Ich bin bereit, diese Meinung zu ändern, wenn z.
B. angepackt oder erfolgreich folgende Maßnahmen auf der Erde durchgeführt
werden:
- "Terraforming" von 100000 km2 (2%)der Sahara in ihrem
zentralen Bereich, so daß dort 10 Millionen Menschen autark (Energie,
Nahrung, Wasser) leben können.
- "Terraforming" der irdischen Tropen durch Beseitigung tropischer
Wirbelstürme, des El Ninio, der Tsetsefliege und des Malaria-Erregers.
- "Terraforming" von ca. 20 Ländern der Erde, die durch Verminung
weitgehend unbewohnbar sind.
Im dritten dieser Beispiele sind die technischen Mittel sogar
existent und im Vergleich zu einer modernen Armee gar nicht so teuer. Aber der
Wille fehlt. In den ersten beiden Beispielen – die minimale Veränderungen der
Verhältnisse beinhalten, keineswegs vergleichbar mit dem, was auf dem Mars o.
ä. angedacht ist – sind natürlich so zu verstehen, daß dabei keine
negativen Auswirkungen anderswo entstehen dürfen, wie z. B. Vergletscherung von
Mitteleuropa oder Austrocknung von Brasilien.
Wer sich diese Beispiele richtig vor Augen führt, der wird
meine Zweifel verstehen. Wer denkt, daß er mit technischen Mitteln den Mars
(oder was auch immer) zu einer Art zweiter Erde machen kann, der unterschätzt
unsere Erde ganz gewaltig.