Dr. Ulrich Bastian vom Astronomischen Rechen-Institut der Universität Heidelberg zu Thema

Terraforming


Meine Antwort auf Ihre Fragen ist etwas kompliziert, aber eine einfache Antwort wäre zu unvollständig, um wahr zu sein. Natürlich kann niemand die Zukunft voraussehen, und so ist meine Antwort letztlich nur eine plausible Vermutung.

  1. Sehr kleine Biotope außerhalb der erde werden schon seit längerem von Menschen angelegt: Apollo, Skylab, MIR oder ISS. Technisch wäre es sicher erreichbar, solche Biotope auch auf dem Mars anzulegen. Daß die Menschheit auch den Willen aufbringen wird, daß für länger als einige Tage, Wochen oder Monate zu tun, das bezweifle ich.
  2. Apollo, MIR etc. haben es zwar ermöglicht, daß Menschen zeitweise außerhalb der Erde leben konnten, aber das hat mit der Idee des Terraforming wenig zu tun.
  3. Terraforming sehr kleiner Bereiche (Glaskuppeln, bergwerkartige Gebilde ...) bishin zu einer gewissen eingeschränkten Selbstversorgung mit Rohstoffen aus der Umgebung (das gab es bei MIR/ISS schon in Form von Solarenergie) mag technisch auch erreichbar sein. Ebenso eine gewisse lokale Nahrungsmittelerzeugung und Wasserkreislauf etc. Aber sowas wird immer sehr zerbrechlich und auf Außenversorgung angewiesen bleiben. Derartige Experimente hat es auf der erde mehrfach gegeben. Neben den technischen und ökologisch-biologischen Problemen traten dabei auch gravierende psychologische Probleme zutage, die nach meiner Einschätzung bei extraterrestrischen Kleinbiotopen zum begrenzenden Faktor werden würden. Wiederum: Technisch wahrscheinlich schon machbar, aber ich bezweifle, daß die Menschheit den Willen dazu aufbringen wird.
  4. Terraforming im eigentlichen Sinn, d. h. Umgestaltung eines großen Teils eines Planeten in Richtung Bewohnbarkeit durch Menschen, halte ich für illusorisch. Alle, die an so etwas denken, glauben, sollten sich vor Augen halten, wie schwer es wäre, auch nur minimale Änderungen dieser Art auf unserer Erde vorzunehmen. Ich bin bereit, diese Meinung zu ändern, wenn z. B. angepackt oder erfolgreich folgende Maßnahmen auf der Erde durchgeführt werden:

Im dritten dieser Beispiele sind die technischen Mittel sogar existent und im Vergleich zu einer modernen Armee gar nicht so teuer. Aber der Wille fehlt. In den ersten beiden Beispielen – die minimale Veränderungen der Verhältnisse beinhalten, keineswegs vergleichbar mit dem, was auf dem Mars o. ä. angedacht ist – sind natürlich so zu verstehen, daß dabei keine negativen Auswirkungen anderswo entstehen dürfen, wie z. B. Vergletscherung von Mitteleuropa oder Austrocknung von Brasilien.

Wer sich diese Beispiele richtig vor Augen führt, der wird meine Zweifel verstehen. Wer denkt, daß er mit technischen Mitteln den Mars (oder was auch immer) zu einer Art zweiter Erde machen kann, der unterschätzt unsere Erde ganz gewaltig.