"Darwins Irrtum" auf dem Prüfstand

von Dieter Vogl


Man nehme einige alte und bereits erfolgreiche Thesen aus der Vergangenheit, kombiniere diese mit modernen Erkenntnissen, füge einen gehörigen Schuß eigener Ansichten bei und fertig ist ein Produkt, das man als eigenes Weltbild deklarieren kann. Aber indem man beispielsweise die bereits tausendfach durchgekauten Ansichten von Immanuel Velikovsky immer wieder neu aufwärmt, werden diese auch nicht besser. Vor allem deshalb nicht, wenn man in diesem aufgewärmten Einheitsbrei die Zutaten vergißt, - womöglich auch gar nicht kennt –, die diesem Gericht erst die richtige Würze geben würden. Aber wer will schon als eingefleischter Katastrophist der globalen Plattentektonik oder den modernen Erkenntnissen der Geowissenschaften jene angemessene Aufmerksamkeit schenken, die diesen Wissenschaften aufgrund ihres derzeitigen Wissensumfanges durchaus gebühren würde, wenn man beifallheischend und medienwirksam mit gigantischen Katastrophen argumentieren kann. Wer will schon aus den Reihen der Katastrophisten von den modernen Forschungsergebnissen aus der Mineralogie, Petrologie, Kristallographie, Tektonik, Stratigraphie oder Morphologie etwas wissen, wenn diese Wissenschaften mit eindeutigen Fakten belegen könnten, daß das eigene Weltbild im Grunde genommen keinen Pfifferling wert ist.

Wer jedoch ohne die Lehre von den Mineralen, die Lehre von den Gesteinen, die Lehre vom Aufbau der Erde, die Lehre von den Gesteinsschichten, die Lehre von den Oberflächenformen der Erde oder die Lehre von den natürlichen Geschehnissen in und auf der Erde auskommen möchte und dann noch als ausgesprochener Laie auf allen diesen Gebieten erklären will, wie das derzeitige Bild des Planeten Erde zustande kam, der hofft auf eine Kehrtwendung – auch wenn diese aus vielerlei Hinsicht in den Reihen der Wissenschaftler ohne Frage notwendig wäre – vergeblich. Und wer dann auch noch, unter vollkommener Ignoranz all dieser Wissenschaften uns auftischen will, daß der Planet Erde erst ein paar tausend Jahre alt ist, dem sind die Lacher ganz sicher gewiß.

Eine Buchbesprechung reicht nicht aus

Eigentlich wollte ich ursprünglich von Dr. Zillmers Buch "Darwins Irrtum", das bei Langen Müller Herbig erschienen ist, nur eine Buchbesprechung schreiben. Als ich aber das Buch gelesen hatte, stellte ich fest, daß ich eine Fülle von Textstellen markiert hatte, mit denen ich nicht konform ging, ja nicht konform gehen konnte, weil mein eigenes Wissen, das in vielerlei Hinsicht nicht theoretischer, sondern praktischer Natur ist, gegen die Aussagen von Dr. Zillmer sprach. Um aber keinen voreiligen Schluß zu ziehen, habe ich das Buch nochmals gelesen. Am Ende stellt ich fest, daß ich noch mehr Textstellen, diesmal mit einer anderen Farbe, markieren mußte, mit denen ich nicht einverstanden sein konnte und eigentlich, über eine Buchbesprechung hinausgehend, in einem größerem Rahmen richtigstellen müßte.

Diese Tatsache empfand ich als äußerst bedauerlich, denn der theoretische Ansatz des Buches ist nicht nur eine oberflächliche Überlegung wert, sondern müßte zweifelsohne genauer und intensiver untersucht werden. In seiner derzeitigen Form sind die Aussagen Dr. Zillmers allerdings nichts anderes als suspekte Ergüsse, die nur den nonkonformistische Laien, aber nicht den Fachmann beeindrucken können. Darin liegt wohl auch ein Grund, warum Dr. Zillmers Buch von der Fachwelt überhaupt nicht beachtet oder, wie es ansonsten üblich ist, von ihr in einem größerem Umfang diskutiert wird. Geologen, die dieses Buch kannten und mit denen ich darüber diskutierte, waren der Ansicht, daß sich der Aufwand ganz einfach nicht lohnt.

Es ist selbstredend, daß man nicht alle Gegenargumente in einem Artikel behandeln kann, denn wenn man für jede Seite eines Buches zwei oder sogar noch mehr Seiten an Begründungen findet, die gegen eine These sprechen, dann kann man alleine aus Platzgründen nicht mehr auf alle eingehen. Deshalb habe ich hier auch nur jene Entgegnung angeführt, die mir wichtig erschienen und die ich, vor allem anhand meiner täglichen Arbeitspraxis, insbesondere in den Steinbrüchen und Werkstätten von Carrara, Massa und Pietrasanta – durch Befragung von Natursteinfachleuten – authentisch nachprüfen konnte.

Meine Recherchen ergaben, daß nicht Darwin, sondern Zillmer irrte. Dies soll jedoch nicht heißen, - auf diese Aussage lege ich besonderen Wert – daß die Evolutionstheorie oder das was man gemeinhin heute als Darwinismus bezeichnet, richtig ist. Ganz im Gegenteil: Hier stimme ich mit Dr. Zillmer vollkommen überein, wenn er postuliert, daß es in der Vergangenheit des Planeten Erde keine Evolution gegeben hat und es auch keine Deszendenz gegeben haben kann, weil die damit verbundenen Schlagwörter zu viele Fehler aufweisen.

Erstes Gegenargument

Da sich Dr. Zillmers These ganz offensichtlich sehr stark an der Kataklysmentheorie Georges Cuviers orientiert und er von sich selbst ganz offen behauptet Katastrophist zu sein, möchte ich auch mit Cuvier meine Kritik an Dr. Zillmers beginnen und zwar an dem Punkt, an dem Cuvier in der Akademie der Wissenschaften von Paris einen Disput mit Geoffroy St. Hilaire hatte und er diesen mit Bravour gewann. Im gleichen Jahr aber, in dem er das Rededuell gegen seinen schärfsten Widersacher so überzeugend für sich entscheiden konnte, wurde bereits an anderer Stelle gegen seine These zum vernichtenden Gegenschlag ausgeholt. Hierzu muß man jedoch wissen, daß Cuviers Kataklysmentheorie zwei Seiten hat. Einerseits die geologische und andererseits die zoologisch-botanische. Auf einen Nenner gebracht postulierte er darin, daß es weder eine Kontinuität der einzelnen Erdperioden noch eine Kontinuität in den Faunen und Floren gibt. Dieser These, wohl aus Unkenntnis und möglicherweise auch aus Respekt vor dem großen Namen Cuviers, traten damals nur wenige Wissenschaftler entgegen. Und das, obwohl schon in jenen Tagen eine große Zahl von hervorragenden Wissenschaftlern ihre berechtigten Zweifel an Cuviers These hatten.

Neben seinem großen Konkurrenten Geoffroy St. Hilaire betrat nämlich Charles Lyell, ein weiterer Rivale der These Cuviers, den Ring der Diskussion. Und was Hilaire nicht gelang, brachte Lyell zuwege: Er führte Cuviers Lehrsätze regelrecht ad absurdum. Letztlich versetzte Lyell mit dem Buch "Principles of Geology" der Kataklysmentheorie von Cuvier im wahrsten Sinne des Wortes den Todesstoß, denn unter dem Titel: "Grundsätze der Geologie" veröffentlichte Charles Lyell 1830 ein klassisches Werk, welches die Entwicklungsgeschichte der Erde von Grund aus umgestaltete; es reformierte dieselbe in ähnlicher Weise wie 30 Jahre später Darwins Werk die Biologie. Lyells epochemachendes Buch zerstörte Cuviers Schöpfungsthese an der Wurzel; es erschien in demselben Jahr, in welchem Cuvier seine größten Triumphe über die Naturphilosophie feierte und seine Oberherrschaft über das morphologische Gebiet auf drei Jahrzehnte hinaus befestigte[1].

Lyell wies in seinem Werk nach, was im vollkommenen Gegensatz zu Cuviers Aussagen stand, daß es keiner Kataklysmen, egal in welcher Form sie letztlich auftreten, bedarf, um die Veränderungen an der Erdoberfläche und in den Überlagerungen der einzelnen Schichten plausibel erklären zu können. Lyell führte diese Veränderungen, was letztlich auch den Tatsachen entsprach, darauf zurück, daß auf die Erdkruste ständig die unterschiedlichsten Kräfte einwirken und diese letztlich für die Umformungen verantwortlich sind. Vor allem Erdbeben, Vulkanausbrüche, Flußläufe, aber auch Wind, Regen und Schnee, verändern die allgemeine Charakteristika der geologischen Formationen ständig. Hierfür zeugen Hunderttausende von lokalen, überregionalen und sogar globalen Erscheinungen, die über die Entstehung von geologischen Formationen ein untrügliches Zeugnis ablegen.

Besonders Nonkonformisten aus den Reihen der Neokatastrophisten widersprechen heute allerdings wieder in erheblichem Maße Lyell und behaupten, daß seine Lehre, die Veränderungen würden sich langsam und stetig über Jahrmillionen vollziehen, falsch sei. Naturgemäß wird dabei Lyell, dem angeblichen Hauptfeind des Katastrophismus, der Kampf angesagt. Offenbar machen die Katastrophisten diese Kampfansage jedoch in vollkommener Unkenntnis der Tatsache, daß Lyell gar nicht der erste war, der diesen Gedanken vertrat. Wie Johannes Walther in seiner vortrefflichen »Einleitung in die Geologie« zeigte, hatte schon acht Jahre vor Lyell ein deutscher Forscher dieselbe Ontologische Methode oder das Prinzip des Aktualismus angewendet, Karl Hoff aus Gotha, in seiner originellen »Geschichte der durch Überlieferung nachgewiesenen natürlichen Veränderungen der Erdoberfläche« (4 Bände, 1822). Aber erst Lyell vermochte Hoffs Anschauung zur vollen Geltung zu bringen[2].

Selbst die Behauptung Lyells, daß diese Umformungen an den Gesteinen in gigantisch langen Zeiträumen stattfindet, war schon zu seiner Zeit nicht unbedingt neu. Wir müssen dessen Hypothesen jedoch, vor allem aufgrund der geologischen Gegebenheiten und der unzähligen Beweise, die wir aus den Steinbrüchen und genutzten Lagerstätten entnehmen können, heute in vollem Umfang anerkennen.

Unser derzeitiges Wissen über die Entstehung von Gestein ist heute so groß, daß jeder etwas versierte Natursteinfachmann Dr. Zillmer widersprechen wird, wenn dieser in seinem Buch behauptet, daß die Verfestigung von Kalkstein nur dann zustande kommt, wenn einerseits ein hoher Druck und andererseits eine außergewöhnlich hohe Temperatur vorherrscht. Diese Aussage ist zwar im ersten Moment richtig, aber nur dann, wenn man unterschlägt, daß neben der physikalischen Entstehung von Gestein, der sogenannten Diagenese, auch eine chemische Wirkung, die sogenannte Zementation, nötig ist.

Wenn nun Dr. Zillmer zudem behauptet, daß die Gesteinsbildung sehr schnell vonstatten ging, dann verkennt er die Prozesse, die sowohl mit der Diagenese als auch mit der Zementation zusammenhängen. Diese können sich, daran besteht aus vielerlei Gründen gar kein Zweifel, nur über einen äußerst langen Zeitraum nur sehr langsam vollzogen haben. Am besten erkennt man dies an den bestehenden Hohlräumen. Ist ein Gestein alt, gibt es nur sehr kleine und auch nur sehr wenige Hohlräume, ist es jung, sind diese groß und zahlreich.

Ein andere Tatsache ist die, daß das Aussehen von Kalkstein, bis auf ganz wenige Ausnahmen – z. B. der aus Griechenland kommende schneeweiße Thassos oder der aus Italien stammende und ebenfalls reinweiße Statuario – immer von seinen Fossilen Einlagerungen, sowohl in seiner Farbgebung als auch in seiner Struktur, geprägt wird. Will man nun diese fossilen Einlagerungen hochrechnen, dann können diese, da es sich ja um Lebewesen handelt die einer Generationenfolge unterliegen, niemals in der kurzen Zeit so viele Nachkommen hervorgebracht haben, die zur Bildung der vorhandenen Kalksteinmassen unbedingt notwendig gewesen wären. Im Anbetracht dessen, daß 99% alle Oberflächengesteine – die ja letztlich die Erdkruste unseres Planeten bilden – aus Kalkstein bestehen, entbehrt es nicht einer gewissen Komik, wenn Dr. Zillmer auf Seite 166 bis 167 seines Buches ernsthaft behauptet, "unsere Welt oder besser Erdkruste" wäre nur "6000-7000 Jahre alt".

Zugegeben, unter gewissen Bedingungen können Ablagerungen sehr schnell erfolgen. So beispielsweise können bei langanhaltenden Regenfällen an den Flußmündungen sehr schnell starke Schlammschichten angeschwemmt werden und innerhalb von zirkulierenden Meeresströmungen können sehr rasch riesige Sandbänke entstehen, aber um nur 1 Zentimeter Ablagerung auf dem Meeresboden zu erhalten, dauert es viele Jahrtausende. Diese Ablagerungen sind aber, wie die kalkabscheidenden Cyanophyceen aus dem Kambrium eindeutig Beweisen, nicht Zentimeter oder vielleicht wenige Meter stark, sondern kilometerdick. In wenigen Tausend Jahren kann sich diese Mächtigkeit niemals angestaut haben. Hierzu benötigt es, vor allem wenn man die Lebzeit solcher Tiere berücksichtigt, Jahrmillionen.

Alle diese Lebewesen müssen aber, will man Dr. Zillmers These glauben schenken, nicht nur zum gleichen Zeitpunkt existiert haben, sie müssen in dieser Kurzen Zeitspanne so viel CO2 produziert haben, damit dieser Kalkstein letztlich entstehen kann und sie müssen auch gleichzeitig bei diesem Impakt gestorben sein, denn ihre sterblichen Überreste bilden ja die fossilen Einschlüsse in den einzelnen Gesteinen.

Und noch ein Punkt stellt die These Dr. Zillmers auf eine harte Probe: Wie kommt es, daß es unterschiedliche Gesteinsschichten gibt. Nach Dr. Zillmers Impakt-Szenario dürfte es nur eine Schicht geben. Nachweislich gibt es aber viele und vor allem viele unterschiedliche. So finden wir hauptsächlich in den kambrischen Schichten überwiegend Trilobiten, Protozoen, Kiesel- und Kalkschwämme und die mit denen verwandten Archaeocyathiden und Brachiopoden, in der darauffolgenden Schicht, die von der Wissenschaft als Ordovizium bezeichnet wird, finden wir ganz andere Leitfossilien. Wie kommt dies zustande, wenn doch ein Impakt der Auslöser zur Kalksteinbildung war? In diesem Punkt wirft Dr. Zillmers Buch mehr Fragen auf, als daß es sie beantworten würde. Insofern kann man sich mit seinen Erklärungen nicht so einfach abfinden oder diese gar widerspruchslos hinnehmen.

Wann bildeten sich bestimmte Gesteine

Heute können Geologen sehr genau bestimmen, in welchen geologischen Epochen Gesteine entstanden. So hat sich beispielsweise ein Großteil der unterschiedlichen Kalksteinsorten überwiegend im Holozän, Pleistozän, Tertiär, Kreide, Malm, Dogger, Lias, Trias, Karbon, Davon, Perm, Silur und Kambrium gebildet. Wenn nun u. a. Dr. Zillmer provokativ behauptet, Kalkstein wäre schnell und durch einen Kataklysmus entstanden, sollte er doch zumindest auch sagen können, welche Sorte von Kalkstein durch diesen von ihm angenommenen Impakt entstand, denn alle Kalksteinarten haben eine unterschiedliche Konsistenz. Und in diesem Zusammenhang sollte uns Dr. Zillmer beispielsweise auch sagen, ob in seinem Impakt-Szenario der homogene und monominerale Kalkstein oder der heterogene aber ebenfalls monominerale Kalkstein entstand. Denn ob dies Dr. Zillmer nun sehen will oder nicht, die Unterschiede sind nun einmal vorhanden und widersprechen in aller Deutlichkeit seiner These, denn wir können es doch nicht ableugnen, daß es zwischen Marmor und Sandstein unterscheide gibt. Beides sind aber Sedimentgesteine – sie haben nur eine unterschiedlich verlaufende Vita und können deshalb niemals und unter keinerlei Umständen, zur gleichen Zeit, vor allem aber nicht durch den gleichen Vorgang entstanden sein.

Darüber hinaus muß man sich auch noch die Frage stellen, warum die verschiedenen Kalksteine in allen diesen Zeiten de facto verschiedene Fossilien enthalten. So finden wir in den unterschiedlichsten Schichten, vor allem aber kaum oder nur gelegentlich geringfügig vermischt, Nummuliten, Amphiporen, Stromatoporen, Schwämme, Einzelkorallen, Astkorallen, Seelilien, Crinoiden, Byrozoen, Muscheln, Brachiopoden, Ammoniten, Orthoceren, Belamniten, Schnecken und Nerineen.

Dabei überwiegen beispielsweise Ammoniten im weißen Jura, dem sogenannten Malmkalkstein oder die Hexagonaria im karbonischen Faulschlammkalk. Diese Tatsachen, die in den genutzten Lagerstätten (Steinbrüchen etc.) dieser Welt jederzeit tausendfach authentisch nachgeprüft werden können und auch aus bautechnischer Sicht, im Rahmen der Verwendung von Gesteinen und aufgrund der unterschiedlichen Statik, auch nachgeprüft werden müssen, sprechen eindeutig für einen kontinuierlichen Aufbau der geologischen Schichten. Und dieser geologische Aufbau muß über einen langen Zeitraum hinweg erfolgt sein. Zumal diese fossilen Einschlüsse maßgeblich daran beteiligt sind, was für eine Art von Kalkstein letztlich entsteht, denn, ich betone dies in Diskussionen immer wieder, Kalkstein ist nicht gleich Kalkstein. Nur Laien und jene Katastrophisten die den Tatsachen nicht ins Auge blicken wollen, verallgemeinern!

Die folgenden Angaben zu Kalkstein sollen uns einerseits verdeutlichen, daß es zum einen in jeder geologischen Ära eine andere Gesteinsausbildung gab und zum anderen, daß es nicht nur eine einzige Kalksteinsorte gibt, sondern eine ganze Reihe. Sie alle fallen zwar unter die Bezeichnung Kalkstein bzw. Sedimentgestein, stellen aber im einzelnen dennoch vollkommen separate Formationen dar, von denen die eine in der anderen niemals vorkommen kann. Gesteinssorten, dies ist unter Natursteinfachleuten eine alte Tatsache, sind immer an einen bestimmten Fundort gebunden. So tritt z. B. der Harzer Dolomit nur in einem kleinen Gebiet bei Bad Sachsa auf, das kaum 1 km2 Ausdehnung aufweist. Sicherlich gibt es in der weiteren Umgebung noch mehr derartiges Material, aber es ist dort nicht erschließbar, weil es tief gelagert, weil überbaut, weil ...

Kalkstein

Sonstige Niederschlagsgestein

Metamorphe Kalksteine

Sedimentgesteine

Kalkstein hell

Onyx (Kalksinter)

Marmor

Sandstein

Kalkstein bunt

Alabaster

Marmor mit

Ophicalcit

Grauwacke

Kalkstein dunkel

 

Ophicalcit,

Silikatmarmor

Kalksandstein,

Porenkalk

Porenkalk

 

Marmor-Brekzie

Hartkonglomerat

Travertin

   

Poröses

Kalkkonglomerat

Schillkalk

Muschelkalk

     

Kalkonglomerat dicht

     

Kalkbrekzie dicht

     

Dolomit-Stein

     

Tabelle aus "Gesteinskunde" von Friedrich Müller, Ulm 1987, Seite 213

 

Wie kommt es also, wenn sich nach Dr. Zillmers Ansicht angeblich der Kalkstein überall zur gleichen Zeit gebildet hat und dies angeblich den verifizierbaren Aussagen Lyells widerspricht, zu diesen unterschiedlich tiefen Lagerstätten? Wie kommt es, daß Kalksteine überall eine unterschiedliche mineralogische Konsistenz aufweisen? Und wie kommt es, daß diese Kalksteine noch dazu überall eine unterschiedliche Entstehungsweise haben?

Die gleichen Fragen treffen im Grunde genommen auf alle Natursteinabbaugebiete zu, in denen Kalkstein, also Sedimentgestein bzw. metamorphose Umwandlungsgesteine gebrochen werden. Hier muß man sich schon etwas mit dem Werdegang von Gesteinen beschäftigt haben, bevor man ein so schwerwiegendes Urteil abgeben will. Herr Zillmer hat dies offensichtlich nicht getan, denn wenn er es getan hätte, dann hätte er merken müssen, daß Kalkstein unmöglich durch einen Impakt entstanden sein kann.

Um meinen Standpunkt zu belegen möchte ich, ohne allerdings näher darauf einzugehen, einige Beispiele anführen, die sehr stark verdeutlichen, wie abwegig der Gedanke ist, daß Kalkstein – wobei Dr. Zillmer zunächst einmal nicht pauschalisieren, sondern spezifizieren müßte – durch einen Impakt entstand.

Bianco Carrara.jpg (42970 Byte) Porenkalk ist beispielsweise ein sehr junges Gestein. Dies merkt man daran, weil sein Aufbau, der sich aus kleinen Partikel von Lithoklasten, Bioklasten und Schalenbruch zusammensetzt, noch nicht vollkommen abgeschlossen ist. Besonders deutlich wird dies dadurch, weil sich die Hohlräume zwischen den Partikeln weder aufgefüllt noch verfestigt haben.

Travertin gehört zu den sogenannten porösen Kalksteinen. Auch Travertin ist ein Kalkstein, der sich noch nicht ganz ausgebildet hat und somit nur gering verfestigt ist. Insgesamt gehören Travertine zu den Süßwasserkalken. Dabei herrschen in Süßwasserseen ganz andere Bildungsbedingungen als im Meer, da der Salzgehalt fehlt. Auch die Mitwirkung des Lebens verläuft anders. Die im Süßwasser abgelagerten Kalkschichten unterscheiden sich daher schön äußerlich von den marinen Typen,...[3].

 

Wie sehr sich doch die Kalksteine und die daraus hervorgegangenen metamorphosen Gesteine unterscheiden, erkennt man auch daran, weil sie selbst in sehr eng begrenzten Gebieten in den unterschiedlichsten Beschaffenheiten auftreten. In Carrara beispielsweise wird nur in wenigen der über 400 Steinbrüche ausschließlich der Bianco Carrara abgebaut. Wenige Hundert Meter in die eine oder andere Richtung versetzt hat sich das Material derartig drastisch und schlagartig gewandelt, daß es nicht mehr unter der Bezeichnung Bianco Carrara, sondern mit dem Namen Bianco Carrara Scuro, Bianco Carrara Venato, Bardiglio oder etwa als Statuario eingeordnet wird.

Der mit Adern durchsetzte weißgraue Bianco Carrara wird im Statuario plötzlich schneeweiß und im Bardiglio durch die fossilen Einlagerungen sogar regelrecht graublau. Dabei stellen die grauen bis schwarzen Adern im Bianco Carrara fossile Einschlüsse dar. Im Statuario sind diese Einschlüsse plötzlich verschwunden, wobei sie im Bardiglio so häufig anzutreffen sind, daß sie den Stein graublau einfärbten. Und wenige Kilometer von Carrara entfernt wird aus dem weißen Kalkgesteinen unversehens ein wunderbarer schwarzer, goldfarben durchwirkter Marmor, der den Namen Portoro erhielt. Hier nahmen die fossilen Einschlüsse so stark überhand, daß der Stein regelrecht schwarz eingefärbt wurde.

Wie läßt sich dieser Unterschied erklären, wenn Kalkstein, so wie es Dr. Zillmer vermutet, tatsächlich in einer einzigen Epoche und noch dazu zur selben Zeit durch eine Katastrophe entstanden wäre? Die Farbgebung wird doch letztlich durch die Flora und Fauna bestimmt, die zur Zeit der Ablagerung vorherrschte. Und wir wissen doch aufgrund der Fossilien, daß sich die einzelnen geologischen Epochen grundlegend von einander unterscheiden, weil, ich habe es bereits angeführt, die Flora und Fauna nur gelegentlich parallel verläuft. Nie und nimmer können also die unterschiedlichen Kalksteine schnell entstanden sein. Hier müssen wir schon, auch wenn es vielen Anhängern von Cuvier nicht gefällt, Lyell recht geben: Die Entstehung dieser gigantischen Kalksteinmassen, die Erdoberfläche besteht ja immerhin zu über 90 Prozent aus diesem Material, kann niemals spontan und schnell, sondern nur sehr langsam geschehen sein. Hier müssen wir in der Tat Zeiträume von Jahrmillionen ansetzen.

Bianco Carrara
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Bianco Carrara Venato
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Bianco Carrara Scuro
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Bardiglio Carrara
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Bardiglio Imperiale
Portoro Macchia Fine 1.jpg (151008 Byte)
Portoro Machina Fine
Travertino Romano.jpg (58626 Byte)
Travertin

Zweites Gegenargument

Noch ein Beispiel, warum die Kalksteine nicht durch einen Impakt entstanden und die Saurier nicht durch eine solche Katastrophe ausgerottet worden sein können. Gehen wir davon aus, daß bei diesem Meteoriteneinschlag, so zumindest Dr. Zillmer, ungeheure Energie frei gesetzt wurde und dort Temperaturen von über 100000°C im Kernbereich [4] entstanden. Aufgrund dieser Annahme muß man sich doch fragen, um so mehr, weil sowohl Dr. Zillmer als auch einige Wissenschaftler davon ausgehen, daß mit diesem Impakt eine Schock-, Hitze- und Druckwelle einherging, warum Wesen wie die Dinosaurier ausstarben, aber gleichzeitig so schwache und zierliche Gewächse wie die Farne vom Karbon bis heute nahezu unverändert erhalten blieben. Hätte durch diesen Impakt nicht alles Leben in gleicher Weise zerstört werden müssen? Die im Kalkstein eingelagerten Fossilien beweisen jedoch gerade in diesem Punkt eindeutig das Gegenteil.

Die gleichen Zweifel an der Katastrophentheorie kommen auf, wenn wir uns die stratigraphische Einordnung der Kalksteine vor Augen führen. Einige Beispiele sollen verdeutlichen, daß Kalkstein tatsächlich zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten entstand und dabei immer ein vollkommen anderes Kalksteinmaterial bildet. Niemals kann hier eine globale Katastrophe der Grund für die Entstehung von Kalkstein gewesen sein. Denn es ist eine weitere Tatsache, daß die sogenannten Leitfossilien nicht nebeneinander, sondern in erster Linie in der Zeit hintereinander existierten. Doch viele von ihnen, was bei einer alleszerstörenden Katastrophe nicht der Fall sein dürfte, existieren auch über unterschiedlich lange Zeiträume hinweg nebeneinander. Wie kann dies sein? Gab es damals womöglich Tier- und Pflanzenarten, die gegen Temperaturen von über 100000°C resistent waren und noch dazu einer Schock-, Hitze- und Druckwelle schadlos überstanden? Das mag glauben wer will.

Für die Anhänger der Katastrophentheorie ist die Antwort einfach, sie behaupten, das bei der jeweiligen Katastrophe eben nicht alle Individuen ausstarben, sondern einige auch überlebten und demnach erst später ausstarben. Diese Antwort ist jedoch nicht so recht glaubhaft, wenn man bedenkt, daß diese Übergangsstadien oftmals Jahrmillionen gedauert haben und die Katastrophisten damit argumentieren, daß durch den Impakt so gewaltige Staubmassen aufgewirbelt wurden, daß die Sonne über viele Jahrzehnte keine Licht zur Erde schicken konnte. Pflanzen brauchen jedoch das Sonnenlicht. Es ist für sie überlebenswichtig. In diesem Zusammenhang wundert es dann schon, wenn die Saurier ausstarben, aber gleichzeitig jene Lebensformen überlebten, die vom Licht der Sonne abhängig waren.

Selbst wenn, wie Dr. Zillmer behauptet, die Erde nur wenige Jahrtausende alt wäre, ist dies nicht möglich, den in Anbetracht der Lebenserwartung von diesen Tierarten, ist ein Überleben bei einem derartigen Szenario vollkommen unmöglich. Der Natur bliebe also nichts anderes übrig, als das Leben wieder und immer wieder nach jedem Kataklysmus neu zu erfinden. Was allerdings auch bedeuten würde, daß es eine Art Evolution gegeben haben muß. Dr. Zillmer ist jedoch der Ansicht: "Da ich Anhänger der Katastrophentheorie bin, lehne ich eine sich langsam vollziehende Evolution ab, ..." Womit er sich selbst in ein Dilemma manövriert, aus dem es kein Entkommen gibt, denn irgendwie muß das Leben, der Beweis ist vor aller Augen sichtbar, nach einer Katastrophe wieder seinen Anfang genommen haben. Stellt sich folglich die Frage: Wenn es keine Evolution gab, wie nahm das Leben dann wieder seinen Anfang?

Drittes Gegenargument

Folgende Tabelle soll nun verdeutlichen, daß die verschiedenen Kalksteine einerseits zu unterschiedlichen Zeiten und andererseits aus vollkommen unterschiedlichen Materialien entstanden. Alleine diese Tatsache verdeutlicht, daß ein Impakt nicht der Ausgangspunkt der Kalksteinentstehung gewesen sein kann.

Stratigraphische Einordnung von Kalkstein[5]

Geologische Ära

Kalkstein – Entwicklung

Holozän

Alle Onyx-Sorten; manche Travertine

Pleistozän

Viele Travertine; die Schillkalke

Tertiär

Lioz-Sorten aus Portugal; Raum Triest; Raum Bari; Die meisten hellen Sorten aus Dalmatien; Viele aus Griechenland

Malm

Deutscher Jura (auch Dolomitstein); Helle Kalke aus Burgund und der Provence; Topazio u. ä. aus Portugal

Dogger

Oolitische Porenkalke aus Frankreich

Lias

Rote Knollenkalke aus Alpen und Balkan

Korallenkalke Adnet; ferner Botticino; der schwarzgelbe Portoro, die bunten aus den Apuanischen Alpen

Trias

Alle deutschen Muschelkalk-Sorten; bunte Kalke aus Umgebung von Bergamo

Karbon

Aachener Blaustein; Ecaussinnes aus Belgien, Napoleon aus Frankreich

Perm

Harzer Dolomit

Silur

Hove aus Norwegen; Slite aus Schweden

Kambrium

Stromatolithenkalke aus China und der ehem. UdSSR

Alleine die Tatsache, daß nur zu bestimmten Zeiten ganz charakteristische Kalksteine entstanden und sich dieser Vorgang auch noch ausschließlich auf bestimmte Regionen beschränkte, beweist, daß es in der geologischen Geschichte des Planeten Erde, eben so wie im Auftreten der unterschiedlichen Lebensformen, eine Kontinuität gibt. Dieser Aspekt, der ebenfalls schon von Hoff angedacht wurde, wird jedoch sonderbarerweise nur Lyell von einigen Nonkonformisten zum Vorwurf gemacht. Wohl deshalb, weil fast jeder Katastrophist erhebliche Bildungslücken hat, was die Vorgänger Lyells betrifft. Durch die Kenntnis und die Vorgeschichte, wie Lyells zu seiner These kam, kann jedoch Lyells These erst so richtig überblickt werden.

Wie dem auch sei: Tatsache ist, daß diejenigen Veränderungen der Erdoberfläche, die noch jetzt unter unseren Augen stattfinden und beispielsweise durch Erdbeben hervorgerufen werden die ihrerseits ihren Ursprung in den tektonischen Verschiebungen der Erdkruste haben, von Lyell vollkommen hinreichend erklärt wurden und was wir heute von der Entwicklung der Erdrinde überhaupt wissen, geht konform mit den Postulaten Lyells. Es ist daher unangebracht, in rätselhaften Revolutionen die unerklärlichen Ursachen dafür zu suchen. Man braucht weiter nichts zu Hilfe zu nehmen als außerordentlich lange Zeiträume, um die Entstehung des Baues der Erdrinde auf die einfachste und natürlichste Weise aus denselben Ursachen zu erklären, welche noch heutzutage wirksam sind[7].

Aber obwohl Lyell Beweise lieferte, daß das Angesicht der Erde eine ständige Entwicklung durchläuft, kann man daraus natürlich nicht, so wie es einige Darwinisten unglücklicherweise tun, den Rückschluß ziehen, daß es eine stammesgeschichtliche Entwicklung der Lebewesen gab. Hier müssen wir Dr. Zillmer recht geben, wenn er behauptet, daß mit den langen geologischen Zeiten noch lange nicht die biologischen Entwicklungsabläufe erklärt werden können. Dennoch täuscht er sich, wenn er Lyell in der Gesamtheit seiner Aussagen in Frage stellt, denn alleine das, was wir durch den Abbau und der Verwendung der Natursteine gelernt haben, spricht ganz deutlich für Lyell.

Viertes Gegenargument

Was Dr. Zillmer unter anderem in Sachen Gesteinsbildung postuliert, ist ebenfalls äußerst fragwürdig, denn er schreibt: "Das Verwitterungsprodukt von Feldspat ist Kaolin: der Rohstoff für die Porzelanherstellung. Ton besteht aber vorwiegend aus Kaolin und wird zusammen mit Sand und anderen Zusätzen durch Pressen bei hohen Druck und einem Brennvorgang mit Temperaturen über 900 °C zu keramischen Fliesen verarbeitet. Kann dieser Prozeß unter kataklysmischen Umständen in der Natur ablaufen?" Und er gibt auch gleich die ihm logisch erscheinende, jedoch nicht ganz folgerichtige Antwort: "Wenn man entgegen unserem schulwissenschaftlichen Weltbild eine entsprechend hohe Temperatur während einer Katastrophe voraussetzt, muß diese Frage bejaht werden. Aber unter diesen Voraussetzungen erhärten die Gesteine schnell wie Beton. Wie ich noch ausführlich beschreiben werde, erzeugte der Sintflut-Impakt (=Meteoriteneinschlag) Temperaturen von weit über 1000 °C und in der Nähe der Einschläge von bis zu über 100000°C, wie Computersimulationen gezeigt haben. Damit lagen alle Voraussetzung für eine schnellen Brennvorgang des Erdgemisch vor.[8]"

Bei objektiver Betrachtung ist Dr. Zillmers Vergleich mit der Porzelanherstellung mehr als fraglich. Wir müssen in sogar als dürftig bezeichnen, weil man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen kann. Ich jedenfalls kenne keine einzige Natursteinart, die mit Porzellan vergleichbar oder gar mit dessen Entstehung identisch wäre. Insofern ist dieses Beispiel nicht geeignet, die Entstehung von Kalkstein zu begründen. Dr. Zillmers Antwort, so glaubhaft sie im ersten Moment, besonders für den unbedarften Laien, erscheinen mag, ist aber auch noch aus verschiedenen anderen Gründen zweifelhaft. Um meine Zweifel an dieser Aussage zu erhärten, muß ich einige Punkte anführen, die der Autor offensichtlich nicht beachtet hat.

Computersimulationen sind kein Beweis

Zunächst einmal, als Computerfachmann der weltweit ausschließlich für Steinbruchfirmen arbeitet, weiß ich, wie ungenau und sogar äußerst fragwürdig Computersimulationen sind. Einerseits, weil sie nur jene Daten verarbeiten können, die man ihnen zur Verfügung stellt, andererseits deshalb, weil die dafür benutzte Software exakt für jenes Szenario geschrieben wurde, welches man letztlich bestätigen oder widerlegen will. Da noch niemand einen Kataklysmus miterlebt hat und somit auch keine Daten eines Impaktes zur Verfügung stehen, können alle dem Computer zur Verfügung gestellten Daten nur auf spekulativen Annahmen beruhen. Realistisch sind solche Simulationen daher nicht. Diese Feststellung kann im übrigen auch von Seismologen bestätigt werden.

Obwohl wir mit dem Computer, anhand von seismologischen Erhebungen, sehr genau die Auswirkungen eines Erdbebens auf Bauwerke simulieren können, wird die Simulation vollkommen sinnlos, wenn der Computer mit den gleichen Daten Auswirkungen simulieren soll, dies haben Versuche in den unterschiedlichsten Erdbebenregionen deutlich gezeigt, wie sich ein Erdbeben auf die natürliche Formation einer bestimmten Landschaft auswirkt. Kurzum: Computersimulationen sind so lange sinnlos, so lange man keine realistischen Daten für die Berechnung benützt.

Der wichtigste Punkt ist aber der: Wir wissen heute sehr genau, daß annähernd 99% aller Niederschlagsgesteine, die an der Erdoberfläche vorhanden sind, aus Kalk gebildet wurden. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gesteinsarten, deren Ausgangsmaterialien schon immer vorhanden waren, ist Kalk jedoch kein Stoff den es schon immer gab. Er mußte sich erst aus anderen Stoffen bilden. Seine Urerzeugung basiert auf einer chemischen Verbindung, die aus CaO und CO2 besteht. Die chemische Mischung CaO bildet sich bei eintretender Verwitterung von Plagioklas und den sogenannten basischen Silikaten. CO2 wiederum muß in der Uratmosphäre überaus reichlich vorhanden gewesen sein, denn Vulkane produzieren es ständig. Und diese gab es ja nachweislich auf der Urerde reichlich. Ebenso, dies ist ein wichtiger Punkt, wie es Pflanzen und Tiere fortlaufend erzeugen. Erwiesenermaßen enthält sowohl das Meerwasser als auch die Luft einen ständigen Vorrat, der zwischen 0,1 – 0,5% variiert. Bis zu diesem Punkt bin ich mit der Darlegung Zillmers noch weitgehend einverstanden.

Wir können davon ausgehen, daß, nachdem die ersten Kalkanteile auf natürlichem Wege produziert waren, dieser sich in einem ständigen Kreislauf befindet, indem lebende Organismen in aus der Natur entnehmen und wieder an diese zurückgeben. Wodurch das Leben, sowohl Tiere als auch Pflanzen, an der Bildung von Kalkstein maßgeblich beteiligt sind. Ohne sie, dies müssen wir uns immer vor Augen halten, gäbe es keine Kalksteine!

Dr. Zillmer behauptet nun, was sich auf die hohe Temperaturentwicklung eines Meteoriten-Impakts bezieht, folgendes: "Durch brennen von Kalkstein und Ton (Mergel) bei hohen Temperaturen gewinnt man Zement, der für schnelle Erhärtung von Beton verantwortlich zeichnet. Die wichtige Zementart Portlandzement enthält bis zu 5% Gips oder Anhydrit. Für die Verfestigung des Erdegemisches ist Kalzium (Kalziumkarbonat) als hydraulischer Härtebildner verantwortlich, das als wesentliches gesteinsbildendes Element bei Kalkstein, Marmor, Dolomit und Gipsstein bekannt ist. Auch im heutigen Meerwasser sind Kalziumionen in geringer Konzentration enthalten, die als Härtebildner wirken."

Und genau an diesem Punkt scheiden sich unsere Geister. Zur Bildung von Zement, dies ist ein Fakt den jeder etwas versierte Natursteinfachmann kennt, braucht es in der Natur keinerlei Katastrophen. Denn wenn durch Zug- und Zerrbeanspruchung im Gestein größere oder kleinere Rissen entstehen, durchzieht vermehrt Wasser diese Stellen und füllt praktisch im Laufe der Zeit die dadurch entstandenen Hohlräume durch Ablagerung von Kalzit mehr oder weniger aus. Dieser Vorgang ist, ebenso wie die Urzeugung von Kalk, sogar im Labor nachvollziehbar. Friedrich Müller, ein Natursteinfachmann allererster Güte, der unter anderem mehrere Fach- und Lehrbücher geschrieben hat und maßgeblich an Deutschlands bedeutendster Natursteinkartei beteiligt ist, schreibt in diesem Zusammenhang: "Dieser weiße Calcit macht fast immer einen körnigen Eindruck und erinnert in seiner Struktur deshalb an Marmor. Diese Art von Füllmasse nennt man B-Zement. Im Gegensatz dazu steht der A-Zement, der seltener auftritt.[9]"

Nachdem auch heute noch im Meerwasser Kalziumionen enthalten sind, die als Härtebildner fungieren können, braucht auch bei der Bildung von Kalkstein ebenfalls keinerlei Katastrophen oder Impakte. Kalkstein, dies ist überdies eine unabänderliche Tatsache, bildet sich ständig. Beste Beispiele hierfür sind die Korallenriffe vor der Ostküste Australiens, die Wohnröhren von Meereswürmern vor der Küste von Wales, Bergformation wie die des Monserrat bei Barcelona, die Pencake Rocks von Neuseelands oder die Sinter-Draperien, die wir aus der Türkei kennen. Selbst in den Travertin-Brüchen bei Rom kann dieser Vorgang in den Thermalquellen sehr genau beobachtet werden. Bei letzteren geht die Kalksteinbildung sogar so rasch vor sich, daß ein beachtliches Wachstum der einzelnen Schichten schon im Laufe weniger Jahre sehr deutlich festgestellt werden kann.

Sind die Wandlung des Planeten Erde wirklich un-kataklysmisch

An diesem Punkt sollten wir auf Darwin eingehen. Am Beispiel der Korallenriffe oder der Wohnröhren der Meereswürmer sehen wir einmal mehr, wie wichtig es ist, daß man sich mit den Thesen dieses Mannes etwas besser beschäftigen muß, als dies de facto Dr. Zillmer getan hat. Wie wir nämlich aus seinem Lebenslauf wissen, hat sich Darwin an mehreren Exkursionen beteiligt, um die geologischen Verhältnisse der britischen Inseln kennenzulernen[10]. Diese Exkursionen wurden von Adam Sedwick, Darwins Geologieprofessor geleitet. Unter anderem untersuchten sie die besagten Wohnröhren von Meereswürmern in der Grafschaft Wales, die ja bekanntlich auf der Bildung von Kalkstein basieren. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse verhalfen ihm später auf seiner Weltreise dazu, den geologischen Aufbau der von im ebenfalls erforschten und in seinem Buch "The Structure Distribution of Coral Reefs" beschriebenen Bildung von Korallenriffen besser zu verstehen. Und auch die Korallenriffe bestehen bekanntlich aus Kalkstein. Darwins Erkenntnisse aus diesen Exkursionen sind also keineswegs unrealistische Rückschlüsse oder gar Hirngespinste, sondern sie entsprechen offensichtlich der Realität.

Darwin erkannte zudem durch diese Arbeit, daß die Vermutung Lyells richtig war, wenn er, was im, Dr. Zillmer eingeschlossen, alle Katastrophisten zum Vorwurf machen, die Formungen der Erdoberfläche für un-kataklysmisch erklärte. Für seine Selektionstheorie benötigte er diese Erkenntnis, was ihm ebenfalls oftmals unterstellt wird, jedenfalls nicht. Die These Lyells wurde jedoch durch den Tatbestand, daß sich der Kalkstein sowohl in Wales als auch in den Korallenriffen ohne kataklysmische Einwirkung vor aller Augen sichtbar vollzog, durch Darwins Arbeit bestätigt. Insofern, da sich der Lyellismus dem Katastrophismus gegenüber, vor allem anhand von sichtbaren Beweisen, behauptete, beherrschte er vollkommen zu recht das Feld der Geologie.

Fazit

Alleine die heute beobachtbare Entstehung von Kalkstein streitet Dr. Zillmer vehement ab indem er schreibt: "Kein Mensch konnte bisher eine Gesteinsbildung beobachten, wenn man von der Abkühlung glühender Lava absieht." Meine angeführten Beispiele haben jedoch gezeigt, daß auch heute noch beobachtet werden kann wie Kalkstein entsteht und es braucht hierzu wahrlich keiner Kataklysmen. Der römische Travertin ist beispielsweise, etwas überspitzt ausgedrückt, bei seinem Heraustrennen aus dem Bruch so "weich wie Butter". Kurze Zeit nachdem er mit Luft in Berührung kam, verfestigt er sich aufgrund chemischer Vorgänge. Einen solchen Vorgang nennt man Gesteinsbildung. Und, auch wenn dies Herr Dr. Zillmer nicht wahrhaben will, dieser Vorgang ist nicht nur in den römischen Travertin-Brüchen, sondern auch in Spanien, England, der Türkei und sogar im entfernten Australien beobachtbar.

Insofern ist Dr. Zillmers Aussage, daß "alle Erklärungen über die Entstehung oder besser gesagt des Verfestigungsprozesses der ursprünglichen Mineralkomponenten [...] fast ausnahmslos Vermutungen darstellen[11]", nicht nur in Zweifel zu ziehen, sondern vollkommen haltlos. Ja ich möchte sogar so weit gehen, zu sagen, daß er sich durch derartige Aussagen selbst disqualifiziert.

Anmerkungen und Literatur:

1 "Gemeinverständliche Werke Band I" von Ernst Haeckel Leipzig/Berlin 1924 Seite 132

2 "Gemeinverständliche Werke Band I" von Ernst Haeckel Leipzig/Berlin 1924 Seite 133

3 "Gesteinskunde" von Friedrich Müller, Ulm 1987, Seite 122

4 "Darwins Irrtum" von Hans-Joachim Zillmer, München 1998, Seite 156

5 "Gesteinskunde" von Friedrich Müller, Ulm 1987 Seite 183

6 "Darwins Irrtum" von Hans-Joachim Zillmer, München 1998, Seite 9 bis 10

7 "Gemeinverständliche Werke Band I" von Ernst Haeckel Leipzig/Berlin 1924 Seite 132 - 133

8 "Darwins Irrtum" von Hans-Joachim Zillmer, München 1998, Seite 83

9 "Gesteinskunde" von Friedrich Müller, Ulm 1987, Seite 105

10 "Darwin" von Johannes Hemleben Reinbeck 1968, Seite 31

11 "Darwins Irrtum" von Hans-Joachim Zillmer, München 1998, Seite 80