Muskovit: Mineral für die Götter
von Roland Roth
Mineralien, Kristalle und Edelsteine haben den Menschen schon immer fasziniert, und wie die Besucherzahlen von Mineralienmuseen, Mineralien- und Edelsteinbörsen belegen, steigt das Interesse an den Schätzen aus dem Inneren der Erde stetig weiter.
Auch unsere Vorfahren verfügten teilweise über ein enormes Wissen über Beschaffenheit und Bearbeitung von Mineralien. Die Herkunft dieses Wissens ist zumeist erstaunlich, stuft man alte Völker doch normalerweise als recht primitiv ein.

Als besonders erwähnenswert sind beispielsweise die Kernbohrtechniken in Ägypten, auf das in zahlreicher Fachliteratur eingegangen wurde. Hier und an anderen Orten wurden so nicht nur Steine, sondern auch Mineralien mit einem enormen technischen Wissen bearbeitet und angewandt, die mit unserer heutigen Technologie durchaus wettbewerbsfähig wäre.
Interessant ist hier auch ein Mineral, das sich in mehreren Schichten übereinandergelagert bei der Sonnenpyramide von Teotihuacan in unterirdischen Räumen findet. Dabei musste es dorthin importiert werden, da es bei diesem Fundort keine natürlichen Vorkommen dieses Minerals gibt. Erich von Däniken berichtete u.a. bereits in seinen Büchern „Der Tag, an dem die Götter kamen" und „Auf den Spuren der Allmächtigen" über diese interessante Kuriosität. Es handelt sich um Muskovit (Moscovite), das weitläufig als „Glimmer" bezeichnet wird. Schichtweise findet man es als Isolation der unterirdischen Kammern. Erst Stein, dann Glimmer, dann wieder Stein, und wieder Glimmer usw.
Um zu wissen oder zu erahnen, welche Verwendung es hier gehabt haben kann, muss man über besondere Eigenschaften dieses Minerals näheres in Erfahrung bringen.
Muskovit oder Glimmer ist mit einer Härte von 2 bis 2 ½ der Mohs´schen Skala nicht gerade von fester Konsistenz. Im Gegenteil: Das Mineral lässt sich blättrig abbrechen, ist sehr elastisch und biegsam.
Seine besondere Eigenschaft liegt daher nicht in seiner Festigkeit und geringen Dichte. Glimmer ist extrem hitzebeständig und feuerfest bis zu fünfstelligen Hitzegraden. In seiner Beständigkeit ist dieses Mineral unerlässlich. In unseren Tagen wird Muskovit zur Elektro- und Wärmeisolation und wegen seiner Feuerfestigkeit in der Bauindustrie und Ofentechnologie verwendet. Er leitet Elektrizität, ist lichtbogen- und kriechstromresistent. Man findet in sogar in Radio- und Fernsehröhren, in Transformatoren und im Radarbereich. Sogar im Toaster oder Bügeleisen lässt er sich teils in gemahlener Form wiederfinden. Ein multifunktionell einsetzbarer Werkstoff!
Was also hat die Erbauer der Kellerdecken von Teotihuacan dazu bewogen, diese mit dicken Schichten von Glimmer zu bedecken? Und vor allem: Wussten sie von den besonderen Eigenschaften dieses Minerals? Weshalb sollte man sich sonst die Mühe machen, Muskovit in fünfzehn Zentimeter dicken Schichten (!) zu verwenden und von weit her zu importieren?
Die größten – auch wirtschaftlich bedeutsamsten – Fundorte von Glimmer sind bekanntermaßen unter anderem im Fichtelgebirge; Taunus; Tirol/Österreich; Tessin/Schweiz; Südtirol/Italien; Ural, Mittelsibirien/Russland; Bihar/ Indien; Transvaal/ Südafrika, Simbabwe; Quebec/Ontario, Kanada; New Hamshire/ Süd-Dakota und Nord-Carolina/ Maryland in den USA.
Man hat das Mineral also mindestens aus Nordamerika herbeischaffen oder zumindest aus weiterer Entfernung importieren müssen. Im Grunde ein Aufwand, der sich nur lohnt, wenn eine logische Implikation dahintersteht und man um die vorher genannten Eigenschaften des Glimmers weiß.
Wer besaß dieses Wissen oder gab es den Erbauern der unterirdischen Anlagen in Teotihuacan weiter? Und zu welchem Zweck?
Bestand in der Tat die Gefahr für wichtige Gerätschaften, die es zu schützen galt, oder gar eines Angriffes von übermächtigen Feinden? Sollte das Schlimmste verhindert werden, als sich die Bewohner bei Gefahr in die Kellergewölbe zurückziehen konnten? Sollte eine immens große Hitze abgehalten oder vor gefährlichen Einflüssen wie elektrischen Entladungen oder saurem Regen geschützt werden? Das zu schützende Element – ob Sachgüter oder Menschen – vor Schaden bewahrt werden? Woher sollte eine Gefahr von größerer Hitze oder anderer Faktoren ausgehen? Die Frage bleibt auch, wer überhaupt diese technische Raffinesse anlegte. Sie wird wohl weiter unbeantwortet bleiben.Copyright © by Giordano Bruno Gesellschaft, Roland Roth und DIVOMA-Soft